Chinesische Tümmler


Das Fliegen mit Taubenpfeifen

Die Tauben, die für diese Art des Taubensports verwendet werden, müssen einen gleichmäßigen Speed entwickeln, um die Pfeifen zum Klingen zu bringen. Traditionell werden die Chinesischen Tümmler dafür verwendet. Natürlich geht auch jede andere Taubenrasse, die ohne Rollen und Purzeln fliegt. Selbst Thüringer Schnippen habe ich schon mit den Pfeifen fliegen lassen. Des weiteren sind alle Arten von Hochfliegern nicht geeignet. Die Flughöhe sollte gerade so an die mittlere Höhe heranreichen. Man will ja die Pfeifen hören und keine Hochflugmeisterschaft gewinnen. Zur Befestigung werden die mittleren vier Schwanzfedern zusammengebunden. Dies geht mit Faden, Kabelbinder und sogar Sekundenkleber recht gut und einfach. Zwischen diese Federn steckt man die Pfeife mit der Lufteintrittsöffnung nach vorn. Unter dem Schwanz wird ein Ring, Federkiel oder auch eine Büroklammer durch das vorhandene Loch gezogen. Damit wird ein Verrutschen und Verlieren der Pfeife verhindert. Natürlich muss man die Tauben erst an die gebundenen Schwanzfedern gewöhnen, ehe man die Pfeife aufsteckt. Rein theoretisch kann die Pfeife dann bis zur einsetzenden Mauser auf dem Tier verbleiben. Ich binde die Pfeifen nur bei 1,0 auf, sodass sie selbst beim Begatten nicht stören. Wenn beide Geschlechter Pfeifen tragen würden, gibt es dann schon Befruchtungsprobleme.

Nun zu den Pfeifen: Diese sind in der Regel aus Bambus und kleinen Kürbissen gefertigt und stellt jede ein kleines Meisterwerk dar. Es ist nach wie vor reine Handarbeit und selbst in China nicht mehr sehr weit verbreitet. Pfeifen von alten Meistern sind nicht zu haben und wenn, dann für erschreckend hohe Preise. In Europa werden sie nur von zwei Züchtern selbst angefertigt. Pfeifen mit mehr als drei Tönen sind beliebte Sammelobjekte und eigentlich für den Flug zu schade. Man muss immer damit rechnen, dass eine Taube mit der Pfeife wegkommt. Gerüchten zu folge sollen die Pfeifen vor Raubvogelangriffen schützen. Diese Aussage ist jedoch nicht belegt. Man muss sich mal überlegen, wenn ein hungriger Falke mit 200 km/h aus dem Himmel auf die Taube stürzt, ist es eher unwahrscheinlich, dass er die Töne aus der Pfeife hört. Als Vergleich kann man auf der Autobahn versuchen, bei offenem Fenster und 200 km/h Radio in normaler Lautstärke zu hören. In Deutschland werden die Pfeifen vom Schlag oder Flugkasten geflogen.

Wer Interesse an diesem Sport mit dieser alten und sehr seltenen Rasse hat, kann sich mit mir in Verbindung setzen.

Die Tauben aus Peking

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Gemeint sind die chinesischen Tümmler oder besser die Pfeifentauben aus Peking. In Europa mehr oder weniger bekannt und nur in Deutschland und Frankreich gibt es einen Standard für diese Rasse mit einem anerkannten Farbenschlag, Weißschildig in schwarz. Von dieser Rasse ist nur wenig bekannt. Das vorhandene Wissen wurde von J.Schütte in den 60iger Jahren zusammengetragen und publiziert. Da ich selbst diese Rasse züchte, wollte ich mich informieren und bin deshalb im Frühsommer 2006 zu einem Drei-Städte-Trip nach China gereist. Kontakte wurden schon vorher über das Internet geknüpft, dies ist als Vorbereitung unumgänglich. Tauben gab es viele zu sehen, aber nur wenig Rassetauben - China ist ein Brieftaubenland. überall sieht man Taubenschläge mit Brieftauben, selbst im 13.Stockwerk von neuen Hochhäusern in Shanghai. Seltsamer Weise sieht man in den Großstädten wie Shanghai und Peking wenig verwilderte Haustauben. Zum Entstehungsalter dieser Rasse gibt Schütte 1700 an, lässt aber den Rahmen bis in die Ching-Dynastie (1127 – 1279) offen. Durch meinen Besuch im Trommelturm von Xi`an kann ich die Entstehung in der Ching-Dynastie bestätigen. Dieser Turm wurde 1370 erbaut und zeigt im Inneren wunderschöne Deckengemälde mit weißen nasenkuppigen Tümmlern. Dies ist eigentlich der Beweis und die Bestätigung, das zum Zeitpunkt des Baues diese Tauben schon erzüchtet und bekannt waren. Meine Fragen nach diesen Tauben führten mich in Xi´an zu einem Taubenzüchter, der seinen Taubenschlag auf einem Haus neben der alten Moschee Quingzhen Si hat. Er konnte mit diesen Rassetauben im Turm nichts anfangen, eben ein Brieftauben- züchter.

Während der Fahrt zu der Terrakotta–Armee – ein Muss für den Chinabesucher - war an gefiederten Haustieren nichts zu sehen. Interessant ist für mich, dass es auf den Hausdächern ab und an Taubenplastiken aus Ton zu sehen gab. Glücksbringer in den Augen der Chinesen. ähnliches wird auch in Deutschland in Form einer weißen Pfautaube von den Dachziegelherstellern angeboten und gilt als schickes Dachdesign und ist dazu noch völlig gefahrlos. Weitere interessante Tauben sah ich im neu eröffneten Hau Yuan Museum. Han Yuan war der 4.Kaiser der Hau-Dynastie, rund 100 Jahre vor Christus in der Nähe von Xi´an. Neben Rindern, Pferden und Schweinen gab es auch Hühner und Tauben aus Ton als Grabbeigaben in dem Museum zu bestaunen. Die Tauben waren leider ohne sichtbaren Kopfputz und auch farblich nicht einzuordnen.

Der letzte Teil meiner Reise war Peking. Sehr markant war der Kaiserpalast in seinen riesigen Ausdehnungen von 720 000 m2. Bekannt ist dieses Bauwerk durch den Film „Der letzte Kaiser“ geworden. Leider war die Zeit viel zu kurz, um tiefer in die Taubenszene einzutauchen. Nun erfüllte sich auch mein Traum, endlich chinesische Tauben, eine uralte Rasse mit toller Ausstrahlung, in der Hand zu halten. Bei meinen Zuchtfreund, Herrn Wang, konnte ich nun Weißschilder, Farbschwänze, Schnippen und Einfarbige in Schwarz und Rot besichtigen. Die Tauben sind meiner Meinung nach eine Nummer größer als bei uns und bestimmt 2 bis 3 Klassen besser als alles, was ich bis jetzt bei uns in Deutschland gesehen habe. Ich war happy.

Der Trend in der Zucht liegt in Peking eindeutig in Richtung kurzer Schnabel sowie runder Kopf, bei uns soll der Schnabel knapp mittellang sein - hier waren es typische Kurzschnäbler. Die Qualität der Tauben war beeindruckend. Führend sind die Einfarbig Weißen und Reinschwarzen. Besonderer Wert wird bei den Schwarzen auf möglichst sauberen grünen Glanz im Halsgefieder gelegt, dies führt leider zu etwas matter Farbe. Die Schnippen in schwarz sind der beste Farbenschlag bei den Gezeichneten. Gefolgt von den Farbhälsen in Schwarz und wenigen in Rot. Danach kommen die bei uns bekannten Weißschilder in Schwarz, rote Weißschilder gibt es auch – diese sind aber qualitativ weit abgeschlagen - mit meinen Tauben in der Qualität gleich zu setzen. Der allerseltenste Farbenschlag sind Farbige mit weißen Hals, also umgekehrte Farbhälse. Diese gibt es in Schwarz, Rot sowie Gelb und sind von der Idealzeichnung, den Bildern nach, noch weit entfernt. Weitere Fragen von mir bezogen sich auf die Verbreitung der Rasse. Es gibt jede Menge Taubenzüchter in Peking, davon halten wenige Rassetauben ( meist Pfautauben und Mövchen) und noch weniger Chinesische Tümmler. Mein Taubenfreund denkt, dass es in Peking und Umland noch rund 100 – 200 Züchter sind. Alles nur in-etwa-Zahlen, eine Organisation für Taubenzüchter gibt es nicht. Die Anzahl der Zeichnungen ist beachtlich, meist werden sie nur in Schwarz und Rot gezüchtet. Erschwerend kommt hinzu, dass oftmals auch zwei Augenfarben möglich sind. Am beliebtesten sind dunkelbraune (bohnenfarbige) Augen, doch gibt es (auch bei den Weißen) noch rote Augen in allen Farben. Dazu kommen alle Farbenschläge in glattfüßig, bestrümpft und belatscht vor. Wichtigstes an dieser Rasse ist der Flug mit den Taubenpfeifen oder –flöten.

Geflogen wird in Peking nur im Frühling und im Winter, der Sommer ist zu warm (bis 40 Grad Celsius) und zu schwül. Die Flugdauer soll bis zu 40 Minuten betragen. Man muss aber bedenken, dass die Tauben auch die Pfeife tragen müssen. Es werden immer größere Trupps geflogen, Junge und Alte durcheinander. Es zählt eigentlich nur die “Musik“ die durch die Pfeifen auf den Schwänzen erzeugt wird. Größere und schwerere Pfeifen mit bis zu 22 Tönen werden auf Brieftauben gebunden. Tauben, die nicht den gleichmäßigen Flug zeigen, werden ausselektiert. Wichtiges Flugmerkmal ist die relativ niedrige Flughöhe (knapp mittelhoch) und der gleichmäßige Speed, nur so können die Pfeifen klingen. Im Dezember findet auf dem großen Pekinger Wochenmarkt immer am Samstag auch ein Taubenmarkt statt. Diesen Markt habe ich im Dezember 2006 besucht. Darüber in einem anderen Beitrag. Natürlich habe ich auch nach den Preisen für die Tauben gefragt. Die Antwort machte mich sprachlos. Auch in Peking kostet unser Hobby viel Geld und dies bei einem Monatseinkommen von 150 bis 200 Euro - soviel kostet ein Paar typisch gezeichneter Schnippentümmler in Schwarz. Die medizinische Betreuung der Tauben ist auf sehr hohem Niveau – eben ein Brieftaubenland. Medikamente gegen Alles sind zu erschwinglichen Preisen zu erhalten.

Gefüttert wird eine reichhaltige Mischung mit nur 15-20% Weizenanteil, alles andere sind verschiedenste Sämereien. Der Preis pro Kilogramm beträgt 10-15 Eurocent. Das Futter wird gleich in 25 kg Säcken oder auch lose verkauft. Literatur zu diesen Tauben gibt es eigentlich nicht. Ein Reprint mit alten gemalten Abbildungen ist im Umlauf. Das Problem bei diesem Buch ist leider die Schrift, es ist in Altchinesisch geschrieben und ein „normaler“ Dolmetscher hat damit viele übersetzungsschwierigkeiten. Es gibt im Chinesisch keine Buchstaben. Es sind Symbole mit verschiedenen Bedeutungen. Im Altchinesisch sind diese Bedeutungen oft sehr “blumenreich“ und die Bedeutung heute nicht mehr zu zuordnen.Farbenschwänze werden Adlerschwänze genannt, es gibt schwarze Tigerköpfe, schwarze Flecken am Hals werden als Blumen bezeichnet und Augenbrauen sind Halbmonde. Tauben mit geschecktem Kopf auf weißen Grund und farbigen Schwanz sind „Tigerkopfadler“ – einfach toll.

Die bei uns bekannten Weißschilder heißen hier „beschlagener Rabe“ und geelsterte Tauben sind “ die Vögel, die in der Stadt Fleisch fressen“. Da die übersetzung schon sehr schwer ist, kann man dann selbst das übersetzte nicht oder nur schwer verstehen und an unsere Fachbegriffe für Farbe und Zeichnung angleichen.

Weiterhin gibt es noch ein Buch über die Herstellung von Taubenpfeifen. Der Schreiber des Buches ist 92 Jahre alt und der letzte lebende Altmeister dieser Kunst. Dieses Buch gibt es auch in englischer Sprache. Heute werden die Pfeifen, meist nur mit 3 bis 6 Tönen, von den Züchtern selbst hergestellt. Sie sind eher zweckmäßig als schön. Pfeifen mit mehr Tönen sind gefragt und sind mit der Signatur eines alten Meisters unbezahlbar- auch für europäische Verhältnisse. Sie sind Sammlerstücke und werden in der Regel nicht geflogen. Die Pfeifen sind aus Bambus in Kombination mit Holz und Horn. Die Herstellung ist mühsame und reine Handarbeit. Da es keine Ausstellungen, sondern nur gelegentliche Präsentationen der verschiedenen Linien und Farben der Tauben von befreundeten Züchtern gibt, ist das Fliegen mit den Pfeifen sehr wichtig für den Erhalt der Rasse. Wer mal Taubenpfeifen im Flug hören möchte, muss aber nun nicht gleich nach China reisen. Neuerdings fliegen auch Chinesische Tümmler bei den Flugkastenveranstaltungen des DFC mit den Pfeifen. Dies ist sehr unterhaltsam und spannend für die Zuschauer. Termine dazu sind aus den Fachzeitschriften zu entnehmen oder bei Sportsfreund Deubelli vom DFC telefonisch unter 0871/ 951954 zu erfragen. Wer nicht bis zu so einer Veranstaltung warten will, kann im Tierpark Hellabrunn / München ebenfalls Tauben mit Pfeifen sehen und hören – das passende Wetter voraus gesetzt.

Viele Fragen zu dieser Rasse sind noch offen, aber sie können eben nur mit den Züchtern in ihrer Heimat geklärt werden. Zu den einzelnen Farbenschlägen und Zeichnungsformen wird demnächst ein weiterer Artikel folgen. Auf jeden Fall ist ein Anfang gemacht. Warum soll eine Rasse mit solch langer Vergangenheit keine Zukunft bei uns haben?

Geschichtliches - Wie alles begann...

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Die chinesischen Tümmler kamen in der 80iger Jahren nach Deutschland. In der ehemaligen DDR kamen die Tiere über Moskau in wenige Züchterhände. Die Anerkennung und Aufnahme in den Standard des VKSK war kein Thema, die Rasse kam aus einem „Bruderland“. Leider konnte sie nicht richtig Fuß fassen, die Zeichnung war zu kompliziert und die genetische Basis sehr schmal. Viele Tiere wurden abgegeben und verschwanden dann in den Kochtöpfen. Erst nach dem sich M. Zschammer und B. Schneider der Rasse annahmen, wurden die Tauben regelmäßig auf den Siegerschauen der DDR gezeigt.

Nach der Wende wurden die Tiere nach einem kurzen Auftritt auf einer früheren Schau in Nürnberg auch im Westen bekannt, einige Tiere gab es hier schon – auch einige wenigen Schnippentümmler, aber von planmäßiger Zucht war keine Rede, zu schwer die Zucht dieser Rasse. 1998 bekam ich die ersten Tiere von M. Zschammer und das Virus Chinesische Tümmler schlug voll bei mir ein. Es war die ultimative Herausforderung hier etwas zu erhalten und zu verbessern, das eigentlich in den letzten Zügen lag. Ich erhielt alle Fehlfarben, die in der Zucht von M. Zschammer anfielen. Nun begann das Mixen und entwirren der unterschiedlichen Zeichnungsformen und verschiedenen Farben.

An die Haltung, Unterbringung und Fütterung stellen die Tauben keine besonderen Anforderungen. Ich füttere zur Zuchtzeit viele kleinkörnige Futtersorten und nur endspitzte Gerste, dies sind Erfahrungswerte und müssen nicht richtig sein. In China habe ich das Futter gesehen und Weizen sowie Gerste waren da vielleicht 20% der Mischung. Hirse, Dari und viele andere rundkörnige Sorten sind dort im Futter.

Die Zucht beginnt bei mir mit der Verpaarung im Februar und beendet wird sie im Juli. Die Jungen müssen im Herbst voll durchgemausert sein, da sie sehr anfällig auf nasskaltes Wetter reagieren. Wenn sie einmal durch die Mauser sind, ist das nasskalte Wetter bei uns in Mitteleuropa kein Thema mehr. Wie bei allen Rassen gibt es Paare die nicht perfekt in der Aufzucht ihrer Jungtiere sind, aber im Großen und Ganzen bin ich mit der Aufzuchtsleistung recht zu frieden. In der Regel ziehe ich pro Paar zwischen 4-8 Jungtiere auf, beachten muss man bei diesen Zahlen aber die Spalterbigkeit des Kopfputzes. Es fallen oft auch Geschwisterpaare ohne Nasenkuppe an und man wartet dann auf das nächste Gelege und schon sind die Jungtiere wieder ohne Nasenkuppe. Aber ich habe auch Paare, die noch nie einen Glattkopf gezogen haben. Diese Paare sind sehr wertvoll und werden bei mir nie getrennt. Weiterhin spalten alle Farben und Zeichnungen noch sehr auf, dies kann nur durch Reinzucht und größere Verbreitung verbessert werden.

Nun zum Thema Freiflug, in der Heimat dieser Rasse werden die Tauben im Freiflug, aber auch in Volieren gehalten. Wichtig und einmalig für diese Rasse ist der Flug mit den ultraleichten Taubenpfeifen. Dies ist eine alte Tradition in China und hat nichts mit Religion oder ähnlichen zu tun. Es ist ein Ausdruck von Lebensfreude und das Streben nach Harmonie in Verbindung von schönen Tauben und schönen Klängen. Ziel ist das Erreichen von klanglicher Harmonie in der Luft. Leider kann man so etwas nicht lernen, es wird von klein auf an die nächste Generation der chinesischen Taubenzüchter weitergegeben. Bei uns in Deutschland führt das Fliegen von Tauben mit Pfeifen eher zum Nachbarschaftsstreit als zur Bewunderung der vollkommenen Harmonie.

9000 Kilometer ostwärts nach Peking - der Tauben wegen

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Im Dezember 2008 war es wieder einmal soweit. Ich reiste für 10 Tage zu den Taubenzüchtern und ihren Tauben nach Peking. Durch die komplexe Vorbereitung über Internetverbindungen und die gekonnte Übersetzungsleistung meines Dolmetschers Guorui Fan wurde diese Reise zu einem Erlebnis der Extraklasse. Ohne diese Unterstützung vor Ort ist es unmöglich in so einer riesigen Stadt gezielt nach Tauben und ihren Züchtern zu suchen. Durch meine vorherigen Besuche konnte ich meine bestehenden Freundschaften auffrischen und einige neue Züchter kennen lernen. Leider sind 10 Tage viel zu kurz, um umfassende und tiefgreifende Erkenntnisse über die einheimischen Rassen, ihre Zucht und die Verbreitung sowie eventueller Entstehung zu gewinnen. Es ist ein Kratzen an der Oberfläche, aber immer hin ein Anfang.. Nach wie vor gibt es keine Organisation, die sich mit Rassetauben in China beschäftigt. Im Gegensatz dazu ist die Sporttaubenszene, ähnlich wie bei uns in Europa, straff organisiert. Beringung, Trainingsflüge und Wettkämpfe alles wie gehabt.

Rassetauben werden dagegen nicht beringt oder nur mit Farbringen und einer fortlaufenden Zahl. Damit fällt ein organisiertes Ausstellungswesen völlig aus. Die Taubenzüchter kennen sich durch den Besuch der Taubenmärkte, die eigentlich täglich stattfinden. Es sind feste Handelsplätze mit festen Ständen, in denen die Eigentümer oft auch wohnen. Es gibt alles was man für Tauben- bzw. Kleintierzucht und Haltung benötigt. Fische, Vögel und Grillen sind nur ein kleiner Teil, es gibt auch Stände für Hühner und junge Hunde. Die Taubenzüchter besuchen sich üblicher Weise nicht, sondern Verabreden ein Treffen an einem der nächsten Tage und bringen dann die gewollten oder nicht benötigten Tauben mit.

So macht jeder sein eigenes Ding und züchtet nach eigenem Gutdenken. Es gibt ein Buch aus dem Jahr 2002, in dem die chinesischen Taubenrassen beschrieben sind. Aussehen und Zuchtziel werden dort festgelegt. Leider wurden nur relativ wenige Bücher gedruckt und kein Exemplar mehr zu haben. Von Standartbildern ist in diesem Werk auch nicht zu sehen, nur einige grobe Skizzen säumen den Text. Vor knapp zwei Jahren änderte sich grundlegend die Zucht der einheimischen Taubenrassen. Etwas sehr Großes entstand. Der Geschäftsführer Herr Wang Xian der modernen Holz- und Spanplatten verarbeitenden Firma Longfa , die nicht nur in China arbeitet, gründete am Stadtrand von Peking auf seinem Firmengelände eine Zuchtstation für diese alten chinesischen Schönheitstauben.

Schönheitstauben werden alle Tauben, die keine Sporttauben sind, genannt. Diese Rassen sind planmäßig in China entstanden und haben ein umrissenes Zuchtziel. Dazu muss ich sagen, dass in China alles etwas größer ist, so auch die Zuchtstation. Hier in dieser modernen Einrichtung sind 1200 Schönheitstauben in mehreren Rassen und sehr vielen Farbenschlägen und die dazu als Ammen benötigten Sporttauben untergebracht. Die Stallanlagen sind nach dem Muster belgischen Sporttaubenschlägen eingerichtet und alles wird auf Spaltenböden gehalten. Die gesamte Anlage ist sehr sauber und hell. Für das Zuchtgeschehen hat Herr Wang Xian einen fähigen Taubenzüchter, Herrn Hou Jun Kai eingestellt. Er kümmert sich mit Hilfe eines PC - Programm um das ganze Zuchtgeschehen. Ihm zur Seite stehen ein Tierarzt und zwei Hilfskräfte, die sich um das tägliche Wohl der Tiere kümmern. Zur Station gehören noch eine Zucht Alpakas, Zwergponys und einer Meute der Hunderasse Doberman. Diese haben dann auch noch Wachfunktion für den wertvollen Taubenbestand zu übernehmen.

Herr Wang Xian hat neben dieser Zuchtstation noch eine weitere Station für Chinesische Taubenrassen an der russischen Grenze. Des weiterem sponsert er auch noch zwei Webseiten über Tauben und Taubenpfeifen in China. Dies wird alles aus seinen privaten Mitteln finanziert und nicht aus irgendwelchen Beiträgen oder Spenden. Auch gesellschaftlich ist dieser Unternehmer sehr rege, nach dem großen Erdbeben in Zentralchina 2008 ließ er 5 Schulen auf seine Kosten wieder errichten. Leider so sagt er, .. Zeit für diese schönen Tauben habe er viel zu wenig.., aber er will sie als nationales Erbe erhalten und verbreiten ….. Sein nächstes Projekt ist eine Holzwerkstatt für das alte chinesische Handwerk der Taubenpfeifenherstellung. Junge geschickte Menschen sollen dieses Kunsthandwerk erlernen und so die chinesische Tradition bewahren. So lernte ich in Wang Xian einen weltoffenen und angagierten Unternehmer des neuen Chinas kennen.

Als Leiter und Meister soll Herr Qin Qiang geworben werden. Ihn habe ich ebenfalls in seiner Wohnung besucht. Ich konnte seine Sammlung selbst gebauter Pfeifen anschauen. Es gibt überlieferte feste Anleitungen für den Bau der einzelnen Typen von Pfeifen. Die Pfeifen des Herrn Qin Qiang sind sehr klein, trotz vieler Töne, ich war sehr angetan von seiner Arbeit. Sein Meisterstück sind die Pfeifen mit 35 Tönen. Er hält auf dem Balkon ein Paar weißhalsige chinesische Tümmler in Rot, nur um die Pfeifen zu testen. Je metallischer der Klang einer Pfeife, desto besser ist sie. Nebenbei pflegt er noch eine Webseite über den Bau dieser Pfeifen.

Den Taubenzüchter Herrn Lin Zhi Gang lernte ich ebenfalls auf dem Taubenmarkt kennen. Er lud mich ein und ich sollte seinen Taubenbestand anschauen. Er lebt an Rande der Stadt Peking und so sagte ich einen Besuch zu. Leider war dieser Rand 75 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt und nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen, Also fuhren wir mit dem Taxi nach Li Ge Zhuang im Da Xing Distrikt. Herr Lin Zhi Gang lebt von der Landwirtschaft. Er baut mit seiner Familie Mais und Hirse an. Weiterhin hat er noch eine riesige Herde gelber einheimischer Legehühner. Die Rasse ist mir nicht bekannt. Daneben züchtet er noch Fische und Schildkröten für die Restaurants der Hauptstadt.

Seine Taubenschläge sind über den Ställen nach belgischen Sporttaubenschlägen eingerichtet. Er fliegt mit seinen Sporttauben recht erfolgreich Strecken bis 500 km. Daneben hat er chinesische Halsbandtümmler und Weißschilder in Schwarz von bemerkenswerter Qualität. Natürlich alles im Freiflug. Sie flogen ihre Runden mit der Sporttauben bei 7 Grad unter Null. Greifvogelprobleme gibt es hier nicht und wenn, werden sie schnell und effektiv gelöst. Der Fußboden der Schlaganlage war aus gevierteltem Bambus, ähnlich wie Roste, gemacht. Sehr stabil und haltbar, der Mist der Tauben wurde einfach durchgekehrt.> Weitere Schlaganlagen wurden besichtigt, darüber aber später in einem Artikel über die Chinesischen Schönheitstauben.

Der absolute Renner auf dem Taubenmarkt waren die Gratisexemplare der Geflügelbörse und meine Visitenkarten. Informationen über die Geflügel- und Taubenzucht vom anderen Ende der Welt sind in China leider, außer aus dem Internet, nicht zu erhalten.

Leider war die Zeit wieder einmal viel zu kurz, um die vielen interessanten Taubenzüchter zu besuchen, ihre wunderschönen Tauben zu bestaunen und nebenbei einen kleinen Einblick in ihr Leben zu bekommen. Aber ich habe für alle Fälle alles erst einmal aufgeschrieben. Denn eins ist klar, dies war nicht meine letzte Reise ins Reich der Mitte, der Tauben wegen.

Pekinger Schönheitstauben oder Chinesische Tümmler

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Der Name Chinesische Tümmler wurde in Deutschland zur Anerkennung dieser Taubenrasse gewählt. In Russland heißen diese Tauben …"Pekingskije".. und in China eben Pekinger Schönheitstauben. Ob sie in der Rassegruppe Tümmler richtig eingeordnet sind und ob es in China nicht noch richtige Tümmler oder Hochflieger gibt, die diesen Namen verdienen, will ich hier eigentlich nicht abhandeln.

Es soll hier nur um diese Tauben aus Peking gehen. Sicher ist ihr Entstehungsgebiet in oder um Peking zu suchen. Sie wurden hier schon im 11. Jahrhundert gezüchtet und sind heute noch recht häufig in der chinesischen Hauptstadt anzutreffen. Bei uns in Deutschland und in ganz Europa ist es mit dieser Rasse nicht so gut gestellt. Nur wenige Züchter bemühen sich um dieses alte chinesische Kulturgut. Die größte Zucht der chinesischen Schönheitstauben ist heute in den Händen von Herrn Wang Xian. Hier konnte ich auch die meisten der nachfolgend beschriebenen Farbenschläge und Zeichnungen sehen und fotografieren. Ich will nicht auf die Übersetzung der chinesischen Bezeichnungen der Farben und Zeichnungen verzichten, da sie oft sehr poetisch sind. Ich versuche aber mich an die bei uns üblichen Farbbezeichnungen zu halten.

An einfarbigen Schlägen gibt es schwarz, weiß, dun, rot, gelb, blau mit Binden und blau gehämmert. Die Schwarzen sind sehr matt in der Farbe und sollen keinen violetten Glanz im Hals haben. Grünglanz ist ein Muss. Hier gibt es wahrscheinlich einen Zusammenhang. Einfarbig rot und gelb ist selten. Blaue gibt es in schöner heller blauer Farbe mit schwarzen Binden, die Rückenfarbe ist mal weiß und mal hellblau. Die Blaugehämmerten haben sehr viel Braun in der Hämmerung. Blaue mit weißen Schwingen haben oft ein weißes Herz im Hinterhals. Diese konnte ich in meiner Zucht auch schon beobachten. Des weiteren gibt es Blaue mit weißen Binden, dazu kommen dann noch ein weißer Kopf und eventuell noch ein weißer Schwanz und oder weiße Schwingen. Kombinationen ohne Ende, aber oft nur als Einzeltiere vorhanden. Ich habe auch Bilder von sogenannten hellblauen Tieren mit weißen Binden gesehen. Rotfahle mit vielen Tintenspritzern, vielleicht etwas vielfarbig mit drin, machten einen recht bunten Eindruck.

Zu den Schwarzen werden immer schwarzen mit weißen Schwingen, Weißbindige (Jadebinden) und Schwarzhellschildiggesäumte (Glücksflügel) gehalten. Die "Glücksflügel" sind mehr oder weniger gesäumt. Beliebt ist die weiße Finkenzeichnung auf den Schwingen. Diese Zeichnungen gibt es auch in Rot. Rothellschildiggesäumte sind dann "Purpurglücksflügel". Rote mit weißen Schwingen habe ich gesehen, Weißbindige nicht. In diese Gruppe gehören noch die Bronzefarbigen. Blaue Grundfarbe mit bronzefarbigem Flügelschild sind "Bronzeschilder", mit Bronzebinden "kupferne Rückenflosse" - soll sicher an die Farbe und vielleicht auch der Form der Rückenflosse eines Karpfens angelehnt sein, diese Bezeichnung. Einfarbig weiße gibt es mit braunen Augen "Bohnenauge" und mit gelben Augen "Goldauge". Dann gibt es die Weißen noch glattfüßig, bestrümpft und belatscht in beiden Augenfarben.

Ein sehr seltener Farbenschlag sind die Eisfarbigen mit schwarzer Hämmerung. Sie werden "Schneeflocken" genannt - die Grundfarbe ist der Schnee und die Hämmerung ist der Boden, der noch nicht ganz mit Schnee bedeckt ist. Es werden in der Bezeichnung also Grundfarbe und Zeichnungsfarbe im Namen einfach umgedreht. Sehr schön sind auch Rote mit weißem Kopf und dazu einige mit weißem Schwanz. Der Übergang vom weißen Kopf zum farbigen Gefieder war nicht ganz korrekt, aber dies störte niemand.

Bei den gezeichneten Tieren geht es auch sehr bunt zu. Selten sind die Weißhälse in schwarz, rot und gelb. Sie heißen auch so, z.B. "Weißhals in Purpur". Eine sehr komplizierte Zeichnung, der weiße Ring geht um den ganzen Hals. Ansonsten ist das restliche Gefieder einfarbig. Zwischenzeichnungen sind möglich. Der weiße Ring ist hinten am Hals nicht geschlossen und das Weiß zieht sich bis zu den Schenkel hin, ähnlich wie bei den Budapester Kiebitzen, dann spricht man von Weißbäuchen.

Übrigens gibt es die Farbbezeichnung Rot in China nicht. Die tiefrote Farbe, sicher dominantrot, wird "purpur" genannt. Der gelbe Farbenschlag wird mit den Dachziegeln des Kaiserpalastes verglichen und als "gold" bezeichnet. Gelbe Farbenschläge gibt es aber sehr selten. Schildig gezeichnete Tauben in Rot habe ich auf dem Taubenmarkt gesehen. Selten gezüchtet und mit etwas Farbestoff am Schnabelansatz, waren sie sehr attraktiv anzuschauen. Geelsterte gibt es ebenfalls in schwarz. Sie werden umschrieben als "… Vögel, die in der Stadt nach Fleisch suchen…" , also den Elstern. Wobei es in Peking neben den uns bekannten Elstern noch die sehr schönen, etwas kleineren Blauelstern gibt. Eine Abwandlung der Elsterung gibt es als Gansel, leider nur in schwarz mit schönen dunkelbraunen Augen.

Mein absoluter Lieblingsfarbenschlag sind die Brustringtümmler. Schneeweiß mit einem farbigen Ring um Hals und Brust. Es gibt sie in schwarz, rot und silber (lahoresilber). Gelbe und Blaue sind nicht sicher bekannt. Sie werden mit dunkelbraunen und roten Augen gezüchtet und auch hemmungslos gemischt. Die braunen Augen sind aber beliebter.

Mehrere Varianten der Brustringtümmler gibt es, z.B. noch mit farbiger Schnippe und nur mit einem farbigen Nackenfleck, ähnlich den Griwun. Unsere bekannte Schnippenzeichnung ist auch bei den Pekinger Schönheitstauben bekannt, in schwarz, rot und blau mit roten und braunen Augen. Dazu gibt es noch einige Abwandlungen. Die Schnippenzeichnung kann mit farbigen Handschwingen und oder mit weißen Schwanz kombiniert sein. Es gibt ganz Weiße mit farbiger Schnippe, Weiße mit farbigen Handschwingen. In Schwarz heißen sie "Eisenschwinge" und in rot "Purpurschwinge". Wenn zu dieser Zeichnung dann noch farbiges Kopf- , Hals- und Schwanzgefieder dazu kommt, sind wir bei den in Deutschland anerkannten Chinesischen Tümmlern in weißschildig, die eigentlich keine Weißschilder sind. In Peking heißen die Schwarzen "Rabenhälse mit Stahlschwingen". Die "Weißschild" Tümmler gibt es in schwarz, rot und silber. Auch hier alles mit braunen oder roten Augen. Wenn die Handschwingen weiß sind, sind es "Rabenhälse mit weißen Flügel". Kommt dann noch ein weißer Schwanz dazu, sind wir bei den sehr beliebten nur "Rabenhälsen". Also Kopf, Hals und Brust sind farbig, sonst alles weiß. Dazu kommt oft noch etwas Bestrümpfung an den Füßen.

Einen neuen Farbenschlag sah ich bei Herrn Hou Jun Kai. Ich würde sagen, so eine Art Zeichnung wie bei den Silberschuppen, diese Zeichnung wird "Coccinella " genannt. Ich habe gleich mal "gegoogelt" und unter diesem Namen den Marienkäfer gefunden. Der Name "Coccinella" bezeichnet die unterschiedliche Zahl von Punkten auf den Deckflügeln der Marienkäfer. Na ja, kann man vielleicht durchgehen lassen.

Was gab es noch an Farben und Zeichnungen zu sehen? Ich zähle noch einige auf: Weißhälse in schwarz, also Kopf und Hals weiß und der Rest des Gefieder schwarz. Weiterhin Strasserartig gezeichnete in Libanonbronzedominant also mit weißer Schwanzbinde und sehr beeindruckende "Gedachelte" in schwarz mit weißen Schwingen und Schwanz. Einheimische Züchter geben 126 verschiedene Farb- und Zeichnungsmöglichkeiten als möglich an. Ich dachte immer, dass ich mit 27 verschiedenen Varianten, in meinen Schlägen, schon viele habe. Wie viele davon noch existent sind, ist nicht zu klären. Zumindest nicht in 10 Tagen.

Einen ganz einmaligen und vielleicht noch nie fotografierten Kopfputz habe ich nun noch zu bieten. Die Mehrzahl der Chinesischen Schönheitstauben hat eine Nasenkuppe in verschiedenen Ausformungen zu bieten. Aber diese Taube, um die es nun geht, hat neben der Nasenkuppe noch eine Art Schopf. Es war kein Wirbel oder ähnliches zu erkennen. Ich habe diesen Kopfschmuck schon vor zwei Jahren mal bei einem anderen Züchter fotografiert, aber nicht für voll genommen. Aber nun sehen wir diesen "Schopf" in voller Pracht. Es gibt, meines Wissens nach, keine andere Haustaubenrasse mit so einer Kopfbefiederung. Vielleicht ist es eine Mutation. Herr Hou Jun Kai sagte, dass dies eine Überstruktur sei und dies gelegentlich auftritt. Theoretisch lässt sich so eine Struktur auch zielgerichtet auf die anderen Farbenschläge der chinesischen Tümmler übertragen und züchten.

Vielleicht können wir dann auf unseren Ausstellungen irgendwann bei den Chinesischen Tümmlern auf der Bewertungskarte lesen …" Schopf ausgeprägter und etwas länger in der Feder…

Unbekannte Taubenrassen aus China

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Im Handbuch der Taubenrassen von Schütte, Stach und Wolters sind neben den chinesischen Tümmlern noch einige andere Taubenrassen beschrieben. Leider sind die Quellen oft sehr alt und Fotos waren auch keine zu erhalten.

Ich habe versucht, bei meinen Besuchen in China etwas über die Taubenrassen zu erfahren und wenn möglich diese Tauben auch im Bild fest zuhalten.

Es gibt zwei verschiedene Brieftaubenrassen, rein chinesischen Ursprungs, ohne Fremdblut aus Europa. Beide gibt es nur im eisblauen Farbenschlag. Die Ka-Shin Brieftauben kommen aus Ostchina und sind etwas eleganter und kleiner als unsere Sporttauben. Sie flogen nur auf Kurzstrecken bis 100 Kilometer. Der Kopf ist immer glatt, ohne Nasenkuppe oder Haube. Augenfarbe leuchtend rot.

Die Tungkoon-Paak-Tauben kommen aus Südchina. Sie haben teilweise eine Nasenkuppe. Sie sollen auch für weite Strecken geeignet sein. Da sie sicher langsamer flogen als die europäischen Brieftaubenschläge, ist ihr Schattendasein leicht zu erklären. Im Schnabel sind sie mittellang, die Augenfarbe ist rot und die silberne Eisfarbe wird bevorzugt.

Beide Rassen werden heute nicht mehr im Wettkampf geflogen. Sie werden als Ammen und für den Flug mit Taubenpfeifen verwendet. Sie sind inzwischen selten zu haben.

Eine andere Rasse, die den Brieftauben nahe steht, sind die „Tauben aus Xian“. Es ist eine brieftaubengroße Taubenrasse. Sie soll sehr alt sein und wird auch als ursprüngliche Ahnentaube der Pekinger Schönheitstaube genannt. Sie haben einen kräftigen Schnabel und die Augenfarbe kann rot oder braun sein. Sie kommen aus der Region Xian, bekannt durch die Terrakotta-Armee. Es gibt sie in weiß, Brustring rot und schwarz und mit farbigen Kopf, Hals und Brust in rot und schwarz. Sie fliegen recht gut und sind im Zuchtgeschehen zuverlässig. Meist haben sie eine Nasenkuppe, wenige Tiere sind glattköpfig.

Die nächste Rasse würde in Deutschland hinter den Römern eingeordnet werden. Es sind lange, große Tauben, mindestens 50 cm lang und heißen…“große Taube“. Es gibt sie in schwarz und weiß, neuerdings soll es sie auch in schwarzschnippig geben. Zwei besondere Merkmale sind dieser Rasse eigen. Erstens der „ungeordnete“ Schwanzfedernwuchs, alle Schwanzfedern stehen kreuz und quer. Also nicht nur waagerecht, sondern auch senkrecht wachsen die Federn. Dazu haben sie noch verlängerte Federn auf dem Oberkopf, die am Kopfende leicht überstehen. Ob sie ähnlich wie beim Eichelhäher etwas angehoben werden können, konnte ich nicht beobachten. Diese Rasse kann nur sehr schlecht fliegen.

Die „Pekinger Schnippentaube“ ist noch nicht so alt. Schnippige Tümmler wurden mit den weißen russischen Schönheitsbrieftauben gekreuzt. Diese Rasse ist brieftaubengroß und kommt nur in schwarzschnippig vor. An den groben Augenrändern und den kompakten Schnabel ist der Dragoon als Ahn sichtbar. Seltsamer Weise gibt es bei dieser Rasse viele Tiere mit fünf Zehen. Die hintere Zehe ist gespalten oder es gibt zwei davon. Wieso dies gerade bei dieser Rasse verstärkt auftritt, war nicht zu erfahren. Es ist eben wie es ist. Die Tiere mit Fünfzehigkeit werden gleichberechtigt ins Zuchtgeschehen genommen. Sie fliegen und ziehen gut.

Eine andere Rasse hat einen treffenden Namen. Sie werden ganz einfach „Purzler“ oder „Überschläger“ genannt. Sie sind mittelgroß, der Schnabel ist normal lang. Sie sind meist doppelkuppig, seltener nur mit Haube. Die Augen sind bei weißen dunkel, bei schwarz, rot und silberblau orangerot. Die Füße sind immer dicht bestrümpft. Das besondere Merkmal ist der Schwanz mit 25-29 Federn. Auch hier wachsen die Federn teilweise senkrecht. Sieht alles etwas wüst aus. Sie sollen nicht sehr hoch fliegen, sich aber im Flug überschlagen. Ich konnte es leider selbst nicht sehen, ob sie nun rollen oder purzeln.

Eine Mövchenrasse gibt es auch in Peking. Die „Pekinger Mövchen“ ähneln unseren Altdeutschen Mövchen, nur sind sie hier immer glattköpfig. Sie sind reinweiß mit farbigem Flügelschild. Es gibt sie in allen möglichen Schildfarben. Der Schnabel liegt in der Länge zwischen kurz und sehr kurz. Es heißt, dass diese Rasse schon in 11.Jahrhundert in China gezüchtet wurde und dann auf der Seidenstrasse in Richtung Osten als Handelsobjekt gelangte. Vielleicht sind sie der Urahn unserer bekannten Schildmövchenrassen? Leider ist solch eine Behauptung nicht beweisbar. Man müsste dann eventuell manche Rassetaubenentstehungsgeschichte umschreiben. Es gibt keine schriftlichen Aufzeichnungen dazu, oft sind nur Bilder aus vergangenen Jahrhunderten vorhanden, ohne genaue Datierung.

Das Jabot ist immer sehr stark ausgeprägt. Sie werden immer im Freiflug gehalten. Zur Zucht sind Ammen nötig. Viele Taubenzüchter halten die Mövchen neben ihren anderen Rassen.

Eine sehr alte Rasse sind die „Altpekinger Weißen“. Hübsche kleine Tauben mit roten Augen und rotem Augenrand. Sie sind immer weiß und glattköpfig, die Fußbefiederung schwankt von bestrümpft bis belatscht. Es sind typische Kurzschnäbler und erinnern an die glattköpfigen Usbekischen Tümmler. Usbekistan liegt ja auch an der Seidenstrasse. Also ist ein hin oder her von Taubenrassen leicht möglich gewesen. Zur Zucht sind Ammen nötig. Auch diese Rasse wird mit 2-3 Paaren nebenbei gehalten. Sie fliegen recht gut. Reine Tiere sind selten. Es werden oft Kreuzungen mit weißen chinesischen Tümmlern angeboten, die oft eine Nasenkuppe haben.

Eine weitere kleine Taubenrasse sind die „Blauen mit den großen Füßen“. Kleine kurzschnäblige Tümmler mit Perlaugen und rotem Augenrand. Wie der Name schon sagt, sind sie stark belatscht. Sie sind immer glattköpfig. Schwarze und Weiße sind ebenfalls vorhanden. Sie heißen dann eben analog „Schwarze mit großen Füßen“ u.s.w.. Zur Zucht sind Ammen erforderlich. Ich konnte bei verschiedenen Züchtern, die Kurzschnäbler züchteten, feststellen, dass die Anzahl der Ammenpaare recht bescheiden im Verhältnis zu den Kurzschnäblern war. Dies hängt mit dem geringen Platzangebot in der chinesischen Hauptstadt und den dadurch sehr kleinen Schlägen zusammen. Oft werden dann doch lieber ein Paar Rassetauben mehr gehalten. Hier ist meiner Meinung nach auch die Seltenheit der Kurzschnäbler zu erklären. Neben Sporttauben werden als Ammen auch Pfautauben sehr alten Typs verwendet.

Am Ende komme ich zu meinen absoluten Lieblingen, was die Namensgebung betrifft.

Zuerst eine kleine kurzschnäblige Taube mit orangeroten Augen und breiten rotem Augenrand. Es gibt diese Rasse nur in schwarz. Sie wird „Schwarzer goldener Fisch“ genannt. Das glanzreiche Gefieder und der Flug sind vielleicht für die Namensgebung verantwortlich. Sie sollen sehr gut und hoch fliegen. Fisch ist vielleicht das Gegenstück zu der Bezeichnung Tümmler bei uns? Rückfragen zum Namen stießen auf Unverständnis. Ist doch ein guter Name!

Die letzte Rasse ist der „Graue Ochse“. Auch sie sind kleine Tauben. In der Farbe ähnlich den Erlauer Tümmlern. Der Name bezieht sich auf die Farbe nasser Wasserbüffel, also schmutzig graublau. Sie haben ein mehr oder weniger gutes Perlauge. Es ist kein Kopfschmuck vorhanden. Es sollen gute Truppflieger sein und hoch fliegen. Sie ziehen ihre Jungtiere gut auf. Der „graue Ochse“ zählt in China zu den seltenen Rassen.

Ich hoffe, dieser kleine Ausflug in die neue und wahrscheinlich doch sehr alte chinesische Taubenrassewelt hat einige neue interessante Erkenntnisse gebracht. Viele Leser werden sagen: ... schon wieder neue Taubenrassen. Aber da kann ich beruhigen. Sicher wird keine dieser beschriebenen Rassen den Weg ins deutsche Ausstellungsgeschehen finden. Taubenausstellungen sind in China noch völlig unbekannt. Da es auch keinen Taubenstandard gibt, wird die Zucht recht locker und mit weiten Grenzen in den einzelnen Merkmalen betrieben. Taubenzucht ist in China eine Freizeitbeschäftigung, nicht mehr und nicht weniger. Bei einer Reise durch das riesengroße China, ohne zeitliche Zwänge, wird sicher noch die eine oder andere im Westen unbekannte Taubenrasse zu finden sein. Also mal sehen was die Zukunft bringt.

Odessa-Roller oder "Über Geschmack kann man sich nicht streiten"

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Es gibt ein im menschlichen Schönheitsempfinden festgelegtes Muster, dass uns Menschen sagt, was schön und was weniger schön oder auch hässlich ist. Zum Beispiel wird diese Erkenntnis in Trickfilmen für Kinder angewandt, alle lieben das junge Reh Bambi mit den riesigen Knopfaugen oder auch den Fisch Nemo. Und für große Kinder in der Werbung - Männer lieben Auto- bzw. Bierwerbung mit schönen rassigen Frauen. Dies ist so und wird es sicher auch bleiben. Nur bei Rassegeflügelzüchtern ist dies anders. Hier geht das Schönheitsempfinden weit auseinander im breiten Spektrum der Rassen. Bei Hühner zum Beispiel von den riesigen Malaien bis zu den winzigen Holländer Zwergen und bei den Tauben ebenso von den Ungarischen Riesentauben bis zu den Wienern. Es gibt also eine fast unendliche Vielzahl von anziehenden und abstoßenden. Deshalb war es auch sicher ein Rassegeflügelzüchter, der das Sprichwort prägte: ... über Geschmack lässt sich nicht streiten...

Viele Leser werden sich jetzt schon fragen wieso diese Einleitung? Kein Thema nach dem man sich die Bilder zum Artikel anschaut.

Einige Züchter werden sich schüttelnd abwenden, doch einige werden begeistert über diese Rollertauben sein. Sie wurden meines Wissens nach weder in den alten oder neuen Bundesländern der Öffentlichkeit ausführlich vorgestellt. Im Buch von Schütte, in beiden Ausgaben, werden sie kurz erwähnt. Dort werden zwei verschiedene Rassen unter einem Namen vorgestellt. Die andere Rasse mit dem Name Odessa-Roller ist mit unserem Orientalischen Roller identisch. Wieso und warum konnte ich auch von den russischen Zuchtfreunden nicht erfahren. Es gibt eben zwei Rassen mit gleichen Namen. Wie der Name schon sagt, kommen diese Tauben aus Odessa. Odessa liegt am Schwarzen Meer. Länderpolitisch gesehen gehört diese Stadt zur Ukraine. Es ist eine sehr alte Stadt und somit wird es sicher auch eine relativ alte Rasse sein. Sie ist nach russischen Aussagen über den gesamten europäischen Teil der ehemaligen Sowjetunion verbreitet.

Doch nun zu den Tauben selbst. Ich sah diese Roller in natura das erste Mal im Februar 1995 auf einer Taubenausstellung in Polen. Ich glaube es war in Posznan. Ich habe lange vor den Käfigen gestanden, aber bis auf einige Fotos war leider nichts zu machen. Die Tiere standen in der Ausstellungsklasse und der Züchter sollte erst am nächsten Tag zur Schau kommen – Pech gehabt. Es waren damals alles Rote mit hellem Schwanz, eine sehr ausgeglichene Kollektion. Ich war fasziniert von diesen Tauben. Obwohl ich in den folgenden Jahren mit Freunden regelmäßig Taubenausstellungen in Polen besuchte, sind mir diese imposanten Roller nicht wieder begegnet. Doch 2004 im Januar standen auf einer Taubenausstellung in Szeczin mit angeschlossenem Taubenmarkt in der Verkaufsklasse Odessa-Roller ! Diese Tauben, angeblich 3,3 in weiß, gescheckt, rot und dun mit hellem Schwanz wurden von Taubenzüchtern aus Kaunus angeboten. Diese Züchter waren 1000 Kilometer mit dem Auto zu diesem Taubenmarkt gefahren! Seltsamer Weise hatten sie neben Kursker Hochfliegern beide bei Schütte geschriebenen Odessa-Rollertypen mit, trotz Dolmetscher war das Wieso und Warum zwischen den zwei Rassen mit den gleichen Namen nicht zu klären. Sie haben wahrscheinlich nicht einmal den Sinn meiner Fragen verstanden. Warum muß auch alles einen eigenen Namen haben? Ich schlich um die Käfige mit den Rollern wie die Katze um den heißen Brei. Eigentlich hatte ich ja schon reichlich schöne Tauben zu hause, aber auf der anderen Seite - sollte ich wieder neun Jahre auf eine Begegnung mit diesen fantastischen Tauben warten? Diesen Zwiespalt wird sicher jeder Taubenzüchter kennen. Taubenzüchter sind verrückt! So ist die einhellige Meinung über mich in meinem Bekanntenkreis – aber wahrscheinlich haben sie Recht.

Nach dem obligatorischen und lautstarken Pflichthandel waren wir uns schnell einig. Ich bekam 2,3 von den sechs Tauben. Ein 1,0 hatte extremen Kreuzschnabel – eventuell das einzig Negative dieser Krummschnäbel. Ich war skeptisch über die Geschlechterangabe, da auch die 0,2 rot und dun mit hellem Schwanz sogenannte Tintenflecke im Schwanz hatten. Dies ist eigentlich bei Rotfahlen geschlechtsgebundene Anzeichen für die männlichen Tiere. Die Tauben im Käfig waren sehr ruhig, also war auch durch das Imponiergehabe kein Geschlecht erkennbar. Na ja, man wird auch in Deutschland ab und an beim Geschlecht ausgestellter und gekaufter Tauben über den Tisch gezogen. Warum nicht auch in Polen? Und ich wollte diese Tauben unbedingt haben.

Nun zu den Rassemerkmale. Diese Roller haben die typische Form der Hängeflügelroller. Ein lang gezogener Körper mit relativ schmalen Schultern. Die Körperhaltung ist waagerecht, bei etwas mehr als mittel hohen Stand. Der Schwanz wird leicht über der Waagerechten getragen und bei Erregung angehoben. Dann sehen die Tauben eigentlich noch besser aus. Ich habe meine Tiere vermessen. Die Tauben sind im Durchschnitt zwischen 35 und 40 Zentimeter lang, davon entfallen 20 Zentimeter auf den Schwanz. Die Flügelspanne beträgt zwischen 60 und 75 Zentimeter. Die Körpermasse würde ich für solch große Tauben als gering bezeichnen. Sie sind meinem Empfinden nach gewichtmässig wie eine glattfüßige Farbentaube oder ein deutscher Modeneser. Der Kopf ist von der Schnabelspitze bis zum Nacken rund. Der Schnabel, Kopf und Nacken bilden eine gleichmäßige, sichelförmige Bogenlinie ohne jede Unterbrechung. Der höchste Punkt liegt über den Augen. Der Schnabel ist ungefähr zwei Zentimeter lang – damit ist es schon fast eine langschnäblige Rasse. Das Auge ist perlfarbig. Bei Weißen und sehr hellen Schecken sind die Augen dunkel. Der Augenrand ist schmal und hell. Die Brust ist gut gewölbt und rund und die Schenkel etwas mehr als mittellang. Die Füße sind rot und immer unbefiedert. Ich werde die Jungtiere mit Ringgröße 8 beringen. Die Flügel sind sehr lang und breit in den Federn. Sie werden immer unter dem Schwanz getragen. Der Schwanz ist im Ansatz so breit wie die Schultern und die Federn sind lang und breit. Er besteht aus 14 bis 17 Schwanzfedern und ist leicht spachtelförmig. An Farben gibt es wahrscheinlich in Anlehnung an die gleiche Abstammung aller „Hängeflügelroller“ unzählige Varianten. Ich habe zur Zeit weiße, gescheckte in rot und blau, rote sowie dun mit hellem Schwanz, ähnlich der Farbenschläge der Persischen Roller.

Meine Verkäufer versicherten mir (?!?) dass diese Tauben sehr schnell hoch fliegen und dann noch schneller rollen würden. Fast nicht vorstellbar, dass diese „riesigen“ Tauben auch noch gute Flieger und Roller sein sollten. Spätestens im nächsten Jahr, bei mehr Tieren, werde ich die ersten Flugversuche starten. Das Verhalten im Taubenschlag ist sehr ruhig und unauffällig. Auf Grund der Größe haben sie ein sehr gutes Durchsetzungsvermögen anderen Tauben gegenüber gegeben. Die Stimme der 1,0 ist sehr leise, im Vergleich zu meinen anderen Rassen. Zu meinem Glück war bei den gehandelten 2,3 dann doch noch wenigstens eine 0,1 dabei. Jetzt im März habe ich schon die ersten Jungtiere. Es gibt nach dem Schlupf noch keine Anzeichen für den krummen Schnabel der Alttauben. Die Küken sehen wie alle normalschnäbligen Tauben aus. Die Fütterung der Jungtiere ist als sehr gut zu bezeichnen.

Fütterungs- und haltungstechnisch stellen diese Tauben aus Odessa also keine, nicht erfüllbaren Ansprüche an ihren Züchter.Es sind also auf alle Fälle interessante, schon fast exotisch aussehende Tauben. Und damit sind wir wieder bei der Einleitung dieses Beitrags: Über Geschmack kann man nicht streiten.

Schwedische Tümmler - Extravaganz aus dem Norden

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In der bekannten Taubenliteratur unserer Zeit wird diese schwedische Nationalrasse mit mehr oder weniger Text bedacht. Inhaltlich ähneln sich die Abhandlungen immer und haben ihre Grundlage in Schütte´s Taubenbuch. Leider fand diese Rasse nie Aufmerksamkeit bei uns in Deutschland. Weshalb dies so ist, liegt sicher nicht an dieser auffallenden Tümmlerrasse, eher an der Zurückhaltung ihrer Züchter ihre Rasse außerhalb von Schweden zu zeigen.. Erst neuerdings haben Schwedische Tümmler mit dem extravaganten Äußeren durch den persönlichen Kontakt einigen Zuchtfreunde aus Schweden und den neuen Bundesländern einige Freunde im östlichen Deutschland gefunden.

In Schweden gibt es einen festen, aber auf Grund der zahlenmäßig geringen Taubenzüchtergemeinschaft, nicht sehr großen, aber aktiven Fanclub. Zur Zeit hat der SV der Schwedischen Tümmler fünfzehn Mitglieder, von denen zehn Züchter aktiv an der Weiterentwicklung ihrer Rasse arbeiten. Sie ist aber sicher die Nummer eins der Tümmlerrassen in Schweden und ziert zutreffender Weise das Logo des Schwedischen Taubenzüchtervereins. Seit September 2004 gibt es auch einen Postbrief mit dem Foto von Schwedischen Tümmlern in gelbfahl und die entsprechenden Briefmarke zeigt einen Schwedischen Tümmler in Blau mit Binden.

Nach Quellen aus Schweden ist diese Rasse in der letzten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden. Die mehr oder weniger formliche Übereinstimmung mit den Norweger, Göteburger und Bergener Tümmler sowie den Ostpreußischen Werfern lässt bei den Schwedischen Tümmlern auf die gleichen Vorfahren schließen. Die Zeichnung war aber vom Beginn der Züchtung so festgelegt.

Nach einem Katalog einer Taubenschau von 1907 im Helsingborg stellten dort auch Züchter aus England aus und brachten ihre Taubenrassen mit nach Schweden. Hier liegen vielleicht die farblichen Vorfahren der Schwedischen Tümmler. Sie kommen hauptsächlich in Weißschlagweißschwanz mit weißen Bärtchen vor und da würden sich die Short Faced Bärtchen Tümmler als beteiligte Vorfahren doch sehr gut anbieten. Um die Jahrhundertwende wurde dann auch der Standard aufgestellt, der sich bis heute nur geringfügig geändert hat. 1908 wurde der Sonderverein gegründet.

Im letzten Jahr hatte ich Gelegenheit in Schweden mehrere Züchter dieser Rasse zu besuchen. Es gibt wie bei uns Züchter mit großem Tierbestand und welche mit nur wenigen Paaren. Ich habe aber festgestellt, dass es keine Spezialisten mit nur einer Rasse und einem Farbenschlag wie in Deutschland gibt. Meist werden verschiedene Rassen aus unterschiedlichen Rassegruppen in je ein oder zwei Farbenschläge gezüchtet, immer nur wenige Paare - aber in Spitzenqualität.

So nun zurück zu den Schwedischen Tümmlern. Die ersten Eindrücke sind langer Schnabel, langer Hals, langer Körper und kurze Beine. Sie sind die Chabo`s unter den Tauben. Dabei sind die Beine gar nicht so kurz, sondern werden gebeugt, dadurch entsteht der tiefe Stand. Der Kopf wirkt zum Körper relativ klein und trägt eine breite Kappe, die dicht am Kopf anliegt. Diese Kappe darf den Scheitel des Kopfes nicht überragen. In Ohrenhöhe befinden sich die gut ausgeprägten Rosetten. Das typische Tümmlerperlauge soll so rein wie möglich sein. Die Pupille wird rund und klein verlangt. Der Augenrand ist schmal und glatt . Er muß bei allen Farbenschlägen hell sein. Der Schnabel soll lang und dünn sein, an der Spitze ist er etwas gebogen. Er wird gesenkt getragen und ist immer blassrosa bis hell gefärbt. Der Hals ist auffällig lang und voll aus dem Körper kommend, bis zum Kopf verjüngt er sich stark. Die Kehle ist sehr gut ausgerundet. Der lange und flache Rücken ist an den Schultern breit. Er bildet mit dem Schwanz eine gerade abfallende Linie. Die breite Brust wird nicht angehoben getragen. Die Unterlinie ist lang gezogen, voll und gut ausgerundet. Die kurzen Beine wirken wie in die Unterlinie rein gesteckt. Die Unterschenkel sind kaum sichtbar und gebeugt. Die Beine und Zehen sind dicht mit weichen Federn bedeckt. Geierfedern sind nicht vorhanden. Die Krallenfarbe ist wie der Schnabel immer hell. Das gesamte Gefieder ist dicht an liegend und glänzend. Der Körper entspricht in der mittleren Größe einem Durchschnittstümmler.

Als lebendes Musterbild kann die 0,1 gelb von Per-Alfred Nilsson gelten. Dieses Tier verkörpert den ganzen Adel dieser Rasse und ist richtungsweisend für die nächsten Jahre, leider fehlt ihr das weiße Bärtchen. In der Zeichnung der Schwedischen Tümmler können wir fünf Gruppen einteilen:

  • Tumlettzeichnung : hier ist der Schwanz mit oberen Deckfedern sowie Keil und Handschwingen weiß, es sollen mindestens sieben Handschwingen weiß sein, dazu kommt die weiße Fußbefiederung und das weiße Bärtchen. Es soll nicht größer als ein Zentimeter sein und von einer Schnabelseite auf die andere reichen.
  • Weißschläge wie oben, aber farbiger Schwanz
  • Weißschwänze wie oben, aber mit farbigen Schwingen
  • Ganz einfarbig auch in weiß
  • Geelstert mit weißen oder farbigen Schwanz, mit und ohne weißen Bärtchen

Diese Zeichnungsformen können nun in folgenden Farben auftreten: Schwarz, rot, gelb, dun, Blau mit und ohne Binden, blaugehämmert, blaufahl mit Binden, blaufahlgehämmert, rotfahl mit Binden, rotfahlgehämmert, gelbfahl mit Binden, gelbfahlgehämmert, stahlblau ( dunkles Silber ), isabell ( helles Silber ), gescheckt in schwarz, rot ,gelb und blau, Grau-, Gelb-, und Braunstipper Leider sieht die Realität nicht so farbenfroh aus. Die Quantität läuft parallel zur Qualität bei den Schwedischen Tümmlern.

Der führende Farbenschlag sind die Weißschlagweißschwänze in Gelb, nun kommen die Blauen mit schwarzen Binden, danach die Schwarzen, mit den Roten und Dunfarbigen im Gefolge. Bei den Einfarbigen sind eigentlich nur noch die Weißen in guter Qualität präsent. Ein Zuchtfreund arbeitet an der Neuerschaffung der schwarzen Elstern mit Bärtchen. Dazu kommen noch einzelne Tiere in Graustipper. Zur 100- jährigen Jubiläumsschau des schwedisches Taubenzüchterverband vom 16. Januar bis zum 18. Januar 2004 standen 42 Schwedische Tümmler zur Bewertung. Diese Kollektion setzte sich wie folgt zusammen: 20 Gelbe, 10 Blaue mit schwarzen Binden, 4 Rote, 3 Schwarze, 3 Reinweiße und 2 Tiere in dun. Die besten vier Jungtiere zeigte Ingo Renz in Blau mit schwarzen Binden. Nun gibt es bei den Schwedischen Tümmlern noch eine Besonderheit. Ähnlich den alten Flugtaubenrassen in Deutschland gibt es einen Ausstellungs- und einen Fliegetyp. Drei Züchter befassen sich in Schweden mit diesem etwas gröberen Flugtyp, der aber im großen und ganzen die gleichen typischer Merkmale verkörpert wie der Ausstellungstyp. Einer dieser Züchter hat sich voll und ganz auf diesen Flugtyp spezialisiert. Diesen Zuchtfreund, Ronny Nilsson aus Svedala, haben wir ebenfalls besucht. Er hat hauptsächlich gelbfahle Tiere mit Binden. Diese Tiere waren sehr ausgeglichen in Typ und Farbe. Er startete die Tauben aus der Hand. Sie flogen ungefähr in einer Höhe von 20 bis 30 Meter und warfen sich einmal nach hinten, ähnlich dem Flugstil der Werfer. Die Tauben entfernen sich nicht sehr weit vom Schlag und so konnten wir diesen Flug sehr gut beobachten. Ronny droppte die Tauben indem er seine restlichen Tauben aus dem Schlag lies. Besonders gut flogen seine Stipper , hier sahen wir mehrere Überschläge in Folge. Natürlich ist dieser Flugstil in Zeit und Höhen nicht mit unseren Flugtaubenrassen zu vergleichen, es wird auch keine Wertung des Fluges vorgenommen. Hier zählt allein die Tatsache, dass diese Rasse noch flugtüchtig ist und ihre Überschläge zeigt. Dies ist uneigennützige Pflege von alten Kulturerbe durch fanatische Taubenzüchter und nur als bewunderungswert zu bezeichnen.

Schwedische Tümmler sind recht ruhige Gesellen im Taubenschlag. Auf Grund ihres langen Schnabels gibt es bei der Aufzucht der Jungtiere kaum Probleme. Sie sind sehr fruchtbar, aber wegen der sehr anspruchsvollen Zeichnung erhält man Ausstellungstauben nicht in Massen. An der Haltung und Fütterung stellen sie keine überhöhten Ansprüche, natürlich kann man auch der Ausstellungslinie Freiflug gewähren. Die Ringgröße ist 8. Vielleicht ist die bald in Leipzig anstehende Europaschau die richtige Blattform, um diesen schönen und interessanten Tümmler einer breiten Öffentlichkeit in Deutschland vorzustellen. Doch hier sind besonders die Zuchtfreunde aus Schweden gefordert, diesen Schritt zur weiteren Verbreitung ihrer Heimatrasse zu tun.

Wer Fragen zu dieser interessanten und liebenswerten Taubenrasse aus Schweden hat, kann sich Informationen aus dem Internet über folgende Eingabe holen: "Svensk Duvavelsförening" - dort sind alle Anschriften des Schwedischen Taubenzüchter Vereins auf geführt.

Warzentauben aus Polen

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Nach der Europaschau 2006 in Leipzig sind sie nun auch in Deutschland der breiten Öffentlichkeit vorgestellt worden, die Polnischen Warzentauben. Im Heimatstandard aus Polen sind wie aus dem Katalog der Schau sichtbar zwei unterschiedliche Rassen von Warzentauben anerkannt. Die Unterschiede sind bei typischen Vertretern beider Rassen deutlich und abgrenzend sichtbar. Auf den Taubenmärkten in Polen werden aber viele Kreuzungen zwischen den beiden Rassen gehandelt. Mit diesem Beitrag möchte ich dem interessierten Leser beide Rassen im Überblick näher bringen.

Die häufiger gezüchtete Variante sind die Polnischen Warzentauben, auf polnisch „Brodawczak polski“. Die Erzüchtung erfolgte (?) durch polnische Taubenzüchter, die in der Ukraine gelebt haben sollen und dann mit ihrer Rasse zurück in die polnische Heimat gezogen sind. Die Besten und rassigsten Vertreter werden heute mit Ausnahmen an der östlichen Grenze von Polen gezüchtet.

Der Gesamteindruck zeigt uns eine sehr kleine Taube, in der Größe ähnlich unseren kurzschnäbligen Tümmlern. Bei allen Farbenschlägen wird Wert auf glattes gut anliegendes Gefieder, unbefiederte Läufe sowie helle Krallen gelegt, des Weiteren sollen die Augen immer hellperlfarbig sein. Der Kopf ist klein, eckig, kurz und breit. Die Stirn, Warze und Schnabel bilden eine Linie. Die Warzen und der zwei- bis dreireihige Augenrand sind fest in der Struktur und im Gegensatz zu unseren bekannten Indianertauben immer hell und wenig gepudert.

Bei gleicher Qualität von zwei Tauben auf der Ausstellung gewinnt immer der mit dem rundesten Augenrand. Die Oberschnabelwarzen sind nur leicht geriffelt und werden nicht zu groß gefordert. Die harmonische Ausprägung des Augenrandes zum Kopf ist sehr wichtig, er kann die Kopfoberkante leicht überragen. Die Warzen müssen fest anliegen. Die Unterschnabelwarzen sind bei Jungtieren wenig entwickelt, besser kaum sichtbar und sollen im Idealfall aus drei einzelnen Warzen bestehen. Im Alter wachsen sie dann zusammen. Die Augen sollen perlfarbig sein, leider ist dies nicht immer der Fall und wird meiner Meinung nach auf den Schauen mal mehr und mal weniger in der Bewertung berücksichtigt. Zwischen Augenrand und Schnabelwarze sollte ein minimaler Abstand sein. Der Schnabel ist kurz und breit, die Spitze ist gerundet. Die Linie Stirn-Warze-Schnabel ist sehr wichtig und bei den Spitzentieren immer sehr gut sichtbar. Der Kopf muss würfelförmig sein. Der Hals geht gerade zum Rücken. Die Schultern sind breit und die Brust gut gerundet. Die gesamte Taube soll kurz und kompakt wirken. Oft sind die ausgestellten Tiere einfach zu lang. Die Schwingen liegen auf dem schmalen, geschlossenen Schwanz. Obwohl es kurzschnäblige Tauben sind, habe ich noch nie etwas von Problemen mit der Schwingenzahl gehört.12 Schwanzfedern sind Allgemeingut. Der Schwanz soll die Schwingen nur wenig überragen. Die polnischen Warzentauben stehen tief auf kurzen Läufen und werden mit der Ringgröße 8 beringt. Die Schenkel sind gut sichtbar.

An Farbenschlägen ist eigentlich alles anerkannt, bis auf Schecken und Tiger. Weiße haben immer dunkelbraune Augen. Die fahlen Farbenschläge sind bekannt, werden aber nicht sehr gern gezüchtet. Führender Farbenschlag ist der blaue mit den schwarzen Binden, danach kommen die Einfarbig schwarzen. Die Gelben sind relativ neuen Entstehungsdatums und genau wie die Roten rezessiv im Erscheinungsbild. Es gibt laut Standart also keine Roten und Gelben mit hellen Schwingen und Schwanz. Weiße Federn, egal wo, sind ein Ausschlussfehler.Der zweite Vertreter der polnischen Warzentauben sind die „Brodawczak Swietokrzyski „. Auf deutsch die Warzentauben aus der Region Swietokrzyski (und Ostrowiek). Sie wurden von den Züchtern Stanislaw Sejmicki und Josef Gref erzüchtet. Diese Züchtung ist erst wenige Jahre alt. Grundlage waren auf alle Fälle die polnische Warzentauben und wahrscheinlich den Farbbild nach russische ( Moskauer?) Tümmler. Dies ist anzunehmen, da es nur zwei Farbenschläge gibt, Kastanienbraun bzw. Dunkelrot mit hellen Schwingen und hellem Schwanz . Finkenzeichnung in den Schwingen kann gezeigt werden, helles Untergefieder ist ein Muss. Es soll noch ein dominantes Gelb geben, auch mit hellen Schwingen und Schwanz ähnlich der Farbe der Einfarbigen Sternschwanztümmler. Ich habe diesen Farbenschlag aber noch nie gesehen. Die Intensität der Farbe ist nicht immer gleich, aber dies ist schon von unseren verschiedenen Sternschwanztümmlerrassen her bekannt

Diese Warzentauben entsprechen den Merkmalen der polnischen Warzentaube bis auf einige Unterschiede. Die Größe ist vergleichbar mit dem Memelner Hochflieger. Die Augenfarbe ist rötlich bis Orange, Perlaugen sind ein grober Fehler. Der Kopf ist nicht würfelförmig, er gleicht einem Trapez von der Seite gesehen. Der Schnabel ist mittellang und kompakt. Die Farbe sollte immer dunkelhornfarbig sein. Die hellen Warzen sind nicht so stark ausgeprägt, aber auch wichtiges Merkmal dieser Rasse. Runde Augenwarzen sind ebenfalls entscheidend in der Bewertung. Die Läufe sind stabil, massiv und unbefiedert. Es wird ebenfalls die Ringgröße 8 aufgezogen.

Auf den Ausstellungen ist das Verhältnis zwischen den beiden Rassen vier zu eins zu Gunsten der Polnischen Warzentauben. Sicher wird dieses Verhältnis in der Erzüchtungsregion der Swietokrzyski Warzentaube anders sein.

Nun noch einige Zeilen zur Zucht und Haltung der beiden Rassen. Da wir es hier mit eher einer kleinen Taubenrasse zutun haben ist auch ein kleinkörniges Futter angebracht. Eine Körnermischung für Kurzschnäbler bietet sich an. Auch bei der Unterbringung mit anderen Rassen sollte man ihrer Klein- und Zartheit gerecht werden. Sie sind ruhig im Schlag und können ihr Nest gut verteidigen. Gegenüber normalschnäbligen Rassen sind sie rein körperlich aber doch im Nachteil.

Zur Zucht der Polnischen Warzentaube sind Ammen unumgänglich. Es sind reine Kurzschnäbler. Ein Ammenküken wird aber ohne große Probleme sehr gut versorgt. Ich verwende Prachener Kanik oder Chinesische Tümmler als Ammen mit recht guten Resultaten. In Polen sind oft Brieftauben oder Elstertümmler im Einsatz. Bei den Swietokrzyski Warzentauben werden auf Grund ihrer Mittelschnäbligkeit sicher keine Ammen benötigt. Leider konnte ich bis jetzt diese Rasse noch nicht in guter Qualität erwerben und somit nichts aus eigener Erfahrung über ihre Vermehrungsqualitäten sagen.

Wer Interesse an diesen beiden Rassen hat, wendet sich am besten an der polnischen Taubenzüchterverband. Dort gibt es viele Züchter, die sehr gut deutsch sprechen. Mein deutsch sprechender Kontaktmann in Polen ist Zuchtfreund Sprycha aus Lubin ul. Geodezyjna 6, 72-500 Miedzyzdroje / Lubin, telefonisch zu erreichen unter 004891/3284170. Er züchtet schon viele Jahre erfolgreich sehr gute polnische Warzentauben in Blau, schwarz und rot. Die Ammen bei ihm sind Krakauer Elstern in schwarz und blau mit weißen Schwanz.

Auf den Taubenmärkten werden oft Kreuzungen zwischen beiden Rassen angeboten. Es sind muntere und gesunde Tauben, die als polnische Warzentauben zu groß sind und als Swietokrzyski Warzentauben farblich völlig daneben liegen.Für die Zukunft wären beide Rassen als Kontrastprogramm zu den bekannten Warzentauben auf unseren Ausstellungen bestimmt recht interessant zu sehen. Mal schauen, was die Zukunft für diese liebenswerten Rassen aus unserem Nachbarland Polen auch in Hinblick Europastandard bei uns bringt.

Im Osten nichts Neues

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Einige Zeit nach meinen diesjährigen Aufenthalt bei Taubenzüchtern in Tianjin-China gibt es wieder neue Informationen über dort heimische Taubenrassen zu berichten.

Über die „große Taube“ habe ich schon in einem Bericht einiges geschrieben. Nun habe ich in Tianjin weitere Informationen über diese Riesentauben erhalten. Wie immer alles mündlich, aufgeschrieben hat niemand etwas über die Entstehung. Diese Rasse ist eindeutig den Riesentauben zuzuordnen. Die Größe entspricht ungefähr der unserer Römertauben.

Es gibt drei Grundfarben bzw. Zeichnungen, diese sind Einfarbig schwarz und weiß sowie mit Schnippenzeichnung in schwarz. Dazu kommen noch Mischfarben, meist schwarz gescheckte Tiere. Das aller höchste bei dieser Rasse ist neben Länge , Breite und dem breitgefächerten Schwanz mit 30 Federn das Auftreten von Schnabelkuppe und Augenschirmchen ähnlich den Pommerschen Schaukappentümmlern.

Bedingt durch die Größe, wird meist mit Brieftaubenammen gezüchtet. Die Zuchtpaare werden in großen Nestern oder Buchten gehalten. Die Flugfähigkeit ist sehr eingeschränkt.

Zur Entstehung gibt es zwei Theorien:

Die erste Möglichkeit ist… Patrioten sagen …alte Rasse zur Kaiserzeit entstanden… Die zweite Möglichkeit sehe ich als besonders glaubwürdig an, da eine gewisse Ähnlichkeit mit den Römertauben nicht zu verkennen ist. Die „Große Taube“ soll um 1930 in und um Tianjin entstanden sein. Dazu einige Hintergründe: Nach dem Sturz des Kaiserhauses war Tianjin von den europäischen Siegermächten als Tor zum Meer besetzt worden. Unter anderem auch von italienischen Truppen. Es entstand um 1910 ein italienisches Viertel , dieses kann man noch heute bewundern. Warum sollen italienische Kaufleute und Händler nicht auch ihre Tauben – Römer- zur Selbstversorgung mitgebracht haben? Diese wurden dann mit einheimischen Rassen aus der Provinz Yanshan – Shanghai (diese Rasse beschreibe ich noch) gekreuzt. Die Römertauben brachten die Größe und die anderen einheimischen Tauben den breitgefächerten Schwanz und die Schnippenzeichnung mit der schwarzen Farbe.

Eine weitere Rasse mit Hauptzuchtgebiet in und um Tianjin sind die „Blauen mit den großen Füßen“ bzw. analog dazu die „Schwarzen mit den großen Füßen“. Es soll diese Rasse als Kurzschnäbler schon lange geben….Die Farben sollen rein sein, die Blauen ohne weißen Rücken, der Augenrand ist breit sowie im Idealfall fast gelb. Dazu kommen dann auch wieder Tiere mit Nasenkuppe. Die Fußbefiederung ist unterschiedlich ausgeprägt, oft ist die Innenzehe unbefiedert, aber wichtig sind nur die großen Latschen. Es sind recht hübsche Tauben, aber ohne Ammen geht garnichts in Richtung Zucht.

Dieses Mal konnte ich endlich auch einige Zuchten der „Taube mit dem seltsamen Kopf“ besuchen. Die Entstehung liegt wie immer im Dunklen. Ein Züchter meinte, daß die Vorfahren mit den japanischen Besatzern um 1935 als Botentauben nach China kamen und dann mit einheimischen Rassen verkreuzt wurden. Leider ist nicht über japanische Taubenrassen zu finden und diese Aussage als recht fragwürdig einzuordnen ist. Andere Züchter geben die Innere Mongolei als Heimat an, aber dort gibt es ja eigentlich nur Nomaden mit ihren Jurten. Von transportablen Taubenschlägen habe ich noch nicht von dort gehört.

Auf jeden Fall eine sehr interessante und imposante Taubenrasse mit entsprechendem Temperament. Es gibt sie neben weiß in allen bindigen und gehämmerten Brieftaubenfarben. Teilweise werden die Jungtiere Ammentauben anvertraut.

Sehr interessant ist eine Rasse im Erscheinungsbild der chinesischen nasenkuppigen Tümmler in eisfarbig mit und ohne Binden sowie gehämmert. Sie haben keinen speziellen Namen, eben die Eisfarbigen oder Hellen. Das Auge ist lebhaft orangerot und der Schnabel knapp mittellang. Dazu haben diese Tauben immer eine Nasenkuppe, die etwas nach oben steht. Interessant war für mich, dass die Taubenzüchter über diese Rasse sagen, dass man sie an die Wand werfen könne und sie kommen immer unverletzt zurück. Ich habe dies natürlich nicht versucht und sehe auch keinen richtigen Sinn in solch einer Handlung, aber für die Taubenzüchter in China ist dies ein Zeichen von der Robustheit dieser Tauben. Die drei Farbenschläge werden gleichfarbig aber auch untereinander verpaart. Sie sollen sehr gut fliegen, mittlere Höhe und so um die drei Stunden, alles Aussagen der Züchter. Diese Tauben werden so nebenbei mitgehalten und dienen auch als Ammen für kurzschnäblige Rassen.

Wie eingangs schon erwähnt nun zu einer schnippigen Tümmlerrasse mit breitem Schwanz aus der Provinz Yanzhou, Das Hauptzuchtgebiet ist die Stadt Jiangsu. Es sind Tauben in normaler Tümmlergröße. Sie sind immer farbschwänzig gezeichnet mit einer riesengroßen Schnippe, die schon fast zur Kopfplatte wird. Sie liegt beidseitig am Auge an und geht über den Kopf bis hinter die Augen. Der Oberschnabel ist schwarz und der Unterschnabel hell. Sie sind immer glattfüßig und haben schwarzbraune Augen mit einem unscheinbaren hellen Augenrand. Sie können auch vereinzelt eine Nasenkuppe tragen. Sie ziehen ihre Jungtiere problemlos auf. Hauptmerkmal ist der breit gefächerte Schwanz. Er besteht aus bis zu 26 breiten Federn. Einziger Farbenschlag ist schwarz. Sie sollen sehr gut fliegen, 3 bis 6 Stunden sind normal. Dabei bleiben sie in mittlerer Höhe, die sie langsam und in großen Kreisen erreichen.

Eine weitere Neuheit aus der Familie der nasenkuppigen Tümmler sind diese Tauben in schwarzschnippig mit Latschen. Diese Variante der chinesischen Tümmler hat immer orangerote Augen mit breiten hellen Augenrand sowie einen möglichst kurzen Schnabel und einen runden Kopf. Eine Nasenkuppe kommt sehr selten vor. Die Form der Schnippe ist ähnlich wie bei unseren schnippig gezeichneten Taubenrassen. Die Fußbefiederung ist dicht aber nur mäßig lang. Es gibt diese Variante nur in schwarz und sie ist sehr selten. Sie wird mit Ammen vermehrt und auf Grund ihrer Seltenheit nur in Volieren gehalten.

Ein weiterer Farbenschag der Chinesischen Tümmler sind die Schnippigen mit farbigen Schwingen. So viel wie ich weiß, gibt es bei keiner in Deutschland anerkannten Rasse diese Farbzeichnung. Auch sie sind sehr selten und deshalb reine Volierentauben. Die Schnippe ist sehr breit und berührt oft den hellen Augenrand, dies vielleicht bedingt durch den Farbstoff in den Schwingen? Sonst wird diese Zeichnung relativ konstant vererbt, ich habe keine Tiere mit Wechselschwingen und anderen Zeichnungsfehlern gesehen. Die Augenfarbe ist lebhaft orangerot. Sie sind immer glattfüßig. Es gibt wenige Tiere mit Nasenkuppe, die Zeichnungsfarben sind schwarz und rot.

Nun etwas, was es so bis jetzt noch nie beschrieben und gezeigt wurde. Ich sah sie erstmalig im chinesischen Internet. Diese Taubenrasse wird in China „Roter Sand“ genannt. Diese Tauben gehören in die Familie der chinesischen nasenkuppigen Tümmler und haben die ungewöhnlichsten Augen, die es wahrscheinlich in der Taubenwelt gibt. Die Augenfarbe ist blutrot und es ist keine klar sichtbare Pupille erkennbar. Bei Spitzentieren sieht man das Blut durch die Adern der Augen fliesen. Daher der Name „roter Sand“ ähnlich wie roter Sand in einer Sanduhr…

Eigentlich sind es zwei Rassen mit diesen Augen, eine ist knapp mittelschnäblig und reine Ziertauben und die andere in der Form wie ein Flugtippler mit normalen Schnabel. Sie kommen aus der Provinz Shaxi, Hauptzuchtgebiet ist die Stadt Hanzhong. Dieses Gebiet war in den letzten Jahren durch schwere Erdbeben mit vielen Opfern in die Schlagzeilen gekommen und hat dadurch eine traurige Berühmtheit erlangt.

Auch deshalb haben die Taubenbestände dort sehr gelitten und beide Rassen sind sehr selten geworden. Das abgebildete Paar wurde von meinem Freund für 500 Euro plus Transport erworben, damit ich es einmal in Original sehen und fotografieren konnte. Tiere der Flugvariante waren leider nicht zu bekommen. Es soll beide Typen nur in weiß, schwarz und braun (khaki) geben. Die Ziervariante hauptsächlich mit Schnabelkuppe und der Flugtyp eher ohne Nasenkuppe. Die Flieger sollen sehr schnell große Höhen erreichen und dann teilweise unsichtbar bis 3 Stunden fliegen.

Wie diese Augenfarbe entstanden ist, sicher ist es eine Farblosigkeit des Auges, und woher dieses Merkmal kommt, waren nicht zu klären. Die Standartauskunft über die Entstehung diese Rasse - sehr alt. Vielleicht fahre ich das nächste Mal in diese Region von China und bekomme nähere Auskünfte. Interessant wären für mich schon allein Kreuzungsversuche mit anderen chinesischen Tümmlerrassen, um die Vererbung dieser Augen zu untersuchen.

Am Ende hoffe ich, dass wieder einiges an neuen Informationen aus dem Reich der Mitte für die Taubenzüchter in Europa dabei war.

Zwerg-Cochin oder doch nicht?

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Fast jeder Rassegeflügelzüchter kennt die Zwerg-Cochin und wie sie ungefähr, ohne Feinheiten, auszusehen haben.

Aber wer kennt den Ursprung dieser in der ganzen Welt einheitlich gezüchteten Zwerghuhnrasse? Sicherlich gibt es Bilder der importierten Tiere von damals (wäre vielleicht mal interessant sie zu veröffentlichen).

Sie sind nach der Zerstörung des Sommerpalastes der chinesischen Kaiser um 1860 durch die Europäischen Truppen wie alles was nicht Niet- und Nagelfest war, nach Europa gelangt. Später wurden durch weitere Transporte mehrere Farbenschläge aus dem Reich der Mitte nach Europa geliefert. Soweit die bekannte Geschichte.

Nachdem sie in Europa züchterisch und farblich dem hiesigen Geschmack und Vorstellungen entsprachen, wurde es ruhig um die Ursprungestiere aus ihrem Heimatland. Sicher war auch die politische Entwicklung in China für das Ende von Informationen über dort heimische Geflügelrassen verantwortlich.

Mich hat bei meinen Reisen nach China immer die Ausgangsrasse interessiert und ob es überhaupt noch solche Tiere gibt. Ich habe mehrere Jahre Taubenzüchter auf diese Zwerghühner angesprochen, aber kein Interesse vorgefunden bzw. keine Kenntnisse darüber erhalten.

In diesem Jahr habe ich erstmalig schöne „Pekingzwerge“ oder eben „kleine Hühner“ in der Region um Peking gezeigt bekommen. Nach der ganzen SARS-Geschichte und den landesweiten Keulung von Hühnergeflügel, beginnen auch einige Taubenzüchter sich mit den nun seltenen Zwerghühnern zu beschäftigen. Mein Interesse an diesen Tieren war vielleicht auch ein Grund, dass nun diese Tiere aus verstreuten Resten wieder gehalten und gezüchtet werden.

Nun zu den Tieren: Stand tief, Größe wie unsere Zwerg-Cochin, aber beiweiten nicht die Federfülle; belatscht, aber teilweise recht spärlich. Einfachkamm und Kehllappen groß und reichlich bei den Hähnen und eher klein und fest bei den Hennen.. Augen rot oder braun. Die Federstruktur immer glatt. Die Form und die Rückenlinie erinnert schon etwas an die Form der Zwerg-Croad-Langschan.

Wichtigstes Zuchtmerkmal bei den Chinesischen Züchtern ist der Schwanz. Er soll von hinten in der Struktur wie eine blühende Chrysantheme aussehen.

Ich konnte Tiere in Schwarz, weiß und gescheckt fotografieren. Andere Farben sind zurzeit nicht bekannt, aber man will sich darum bemühen. Und falls es andere Farben noch gibt, werden sie mir bei meinem nächsten Besuch gezeigt.

Die Tiere werden meist in kleinen Höfen und ganz kleinen Kisten als Stall gehalten. Meist sind es mehr Hähne als Hennen. Das Hauptzuchtmerkmal sieht eben bei den Hähnen besser aus bzw. ist bei den 1,0 ausgeprägter. Alle drei Farben werden zusammen gehalten. Die Hennen legen kleine cremfarbige Eier und brüten dann auch nach 10-12 Stück. Die Befruchtung ist eher mäßig. Vielleicht liegt es an der Hahnendichte oder die geringe Zuchtbasis schlägt sich hier nieder. Gefüttert wird Weizen oder Reis, sowie Abfällen aus der Küche, alles was eben zur Hand ist. Die Küken werden oft künstlich aufgezogen, aber nicht im Kükenheim und mit Wärmelampe. Sie sind stromlos in kleinen Pappkartons, mit Reistroh oder Papier als Einstreu, untergebracht. Gefüttert werden sie mit gebrochenen Reis und zerschnittenen Mehlwürmern, meist aus der Hand der Hausfrau. Alles anders als bei uns, aber der Zweck heiligt die Mittel.

Erst jetzt an diesen Tieren in China sieht man die enorme züchterische Leistung, die aus diesen chinesischen Zwerghühnern unsere bekannten Zwerg-Cochin gemacht hat.

Vielleicht gelingt es eines Tages, das beide Varianten nebeneinander auf einer Ausstellung zeigen werden können. In unserer Zeit ist es ja modern und im Trend, dass wir neben der aktuellen Rasse oft noch die Ursprungsrasse, vor der Modernisierung, zeigen müssen. Jüngstes Beispiel sind die Orientalischen Mövchen, die übrigens auch in beiden Varianten in China gezüchtet werden. Dies ist aber wieder eine andere Geschichte…

letzte Aktualisierung 27.11.2012

J. Kirschig